Kriterien für die Pathogenität des ACMG (American College of Medical Genetics and Genomics)

Die von der ACMG und der AMP (Association for Molecular Pathology) festgelegten Kriterien leiten die Klassifizierung und klinische Interpretation genetischer Varianten, die in molekularen Studien identifiziert wurden. Diese Kriterien sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass Behandlungs- und Nachsorgeentscheidungen auf soliden Beweisen basieren.

  • Pathogen: Überwältigende wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Variante die Krankheit verursacht. Dieses Kriterium wird angewendet, wenn ein direkter und kausaler Zusammenhang zwischen der Variante und dem klinischen Phänomen besteht.
  • Wahrscheinlich pathogen: Hohe Wahrscheinlichkeit (>90 %), dass die Variante kausal ist. Obwohl es in diesem Fall keine überzeugenden Beweise gibt, stimmen die Ergebnisse mit einem pathogenen Zusammenhang überein und es wird davon ausgegangen, dass die Variante mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Krankheit beiträgt.
  • Variante mit unklarer Bedeutung (VUS/VSI): Es gibt nicht genügend Beweise, um es als gutartig oder pathogen einzustufen. Wenn die Ergebnisse nicht eindeutig sind oder nicht sicher interpretiert werden können, wird die Variante als VUS/VSI klassifiziert.
  • Wahrscheinlich gutartig: Hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Variante nicht mit der Krankheit zusammenhängt. Obwohl es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang gibt, ist dieser weniger wahrscheinlich und erfordert weitere Untersuchungen, um seine Pathogenität zu bestätigen.
  • Gutartig: Hinweise darauf, dass es sich bei der Variante um einen häufigen Polymorphismus ohne pathogene klinische Auswirkungen handelt. Dieses Kriterium wird angewendet, wenn die Variante mit keiner Krankheit in Verbindung gebracht wurde und ihr Vorkommen im Genom als normal gilt.

In der klinischen Praxis ist es von entscheidender Bedeutung, diese Kriterien zur Bewertung der Relevanz identifizierter genetischer Varianten zu verwenden. Die Interpretation sollte kontextbezogen erfolgen und andere Faktoren wie die Familiengeschichte, den Kontext der Studie und zusätzliche Erkenntnisse berücksichtigen.